Warum bekomme ich mein Essverhalten nicht in den Griff?

Anna Auer • 13. August 2026

Warum es oft um mehr als Essen geht

Viele Menschen, die seit Jahren mit ihrem Essverhalten kämpfen, wissen längst erstaunlich viel.

Sie wissen, dass Hungern keine dauerhafte Lösung ist. Sie wissen, dass ein Essanfall das eigentliche Problem nicht löst. Sie haben Ernährungspläne ausprobiert, Bücher gelesen, vielleicht eine Therapie gemacht und sich immer wieder vorgenommen, es diesmal anders zu machen.

Und trotzdem kommt irgendwann dieser Moment:

Warum mache ich das immer noch?

Vielleicht lohnt es sich dann, die Frage zu verändern.

Nicht nur:

Warum esse ich so?

Sondern:

Was passiert in meinem Leben, bevor das Essen zum Problem wird?

Essen kann eine Aufgabe übernehmen

Essen ist nicht automatisch emotionales Essen. Und auch Essstörungen haben nicht bei allen Menschen dieselben Ursachen.

In meiner Arbeit als Körperpsychotherapeutin interessiert mich deshalb die individuelle Geschichte eines Menschen.

Denn Essen oder Nicht-Essen kann im Laufe eines Lebens unterschiedliche Funktionen übernehmen.

Es kann beruhigen. Betäuben. Spannung regulieren. Ein Gefühl von Kontrolle herstellen. Trost geben oder dabei helfen, Gefühle für einen Moment nicht wahrnehmen zu müssen.

Die interessante Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?

Sondern auch:

Wofür habe ich es irgendwann gebraucht?

Was passiert vor dem Essen?

Manchmal beginnt die entscheidende Situation Stunden vor dem Kühlschrank.

Vielleicht hast du bei der Arbeit wieder Ja gesagt, obwohl du Nein meintest.

Vielleicht hat dich jemand verletzt und du hast so getan, als wäre nichts.

Vielleicht bist du wütend, erlaubst dir deine Wut aber nicht.

Vielleicht hast du den ganzen Tag funktioniert und erst am Abend bemerkt, wie erschöpft und allein du eigentlich bist.

Das bedeutet nicht automatisch, dass deshalb ein Essanfall entsteht.

Aber es lohnt sich, diese Zusammenhänge zu untersuchen.

Denn wenn Essen eine Regulationsfunktion übernommen hat, reicht die Frage „Wie schaffe ich es, weniger zu essen?“ möglicherweise nicht weit genug.

Was Beziehung damit zu tun haben kann

Wenn Menschen mit Essstörungen zu mir kommen, schaue ich deshalb immer auch darauf, wie sie Beziehung gelernt haben.

Kann ich Nähe zulassen und trotzdem bei mir bleiben?

Kann ich Nein sagen, ohne sofort Angst vor Ablehnung zu bekommen?

Kann ich ein Bedürfnis haben, ohne mich dafür zu schämen?

Kann ich mich abgrenzen, ohne mich schuldig zu fühlen?

Kann ich jemanden brauchen, ohne mich dabei schwach zu fühlen?

Hier begegnen uns häufig Themen wie Selbstwert, Scham, Grenzen, Bindung sowie Nähe und Autonomie.

Nicht als universelle Erklärung für Essstörungen.

Sondern als mögliche Teile einer individuellen Geschichte.

Ich kenne diesen Kampf auch persönlich

Ich selbst hatte ungefähr von meinem elften bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr ein schwieriges Verhältnis zum Essen, insbesondere mit bulimischen und restriktiven Phasen.

Wenn ich heute zurückblicke, war eines der schmerzhaftesten Gefühle nicht einmal das Essen selbst.

Es war das Gefühl, von mir abgeschnitten zu sein.

Eigentlich wollte ich dazugehören. Ich wollte mich willkommen und sicher fühlen.

Und gleichzeitig versuchte ich, möglichst wenig angreifbar zu sein.

Eigentlich wollte ich dazugehören. Und mein Weg dorthin bestand darin, immer weniger zu brauchen – oder zu verstecken, was ich brauchte.

Heute weiß ich, dass meine Geschichte eben genau das ist: meine Geschichte.

Deine kann vollkommen anders aussehen.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob du dich in meiner Biografie wiedererkennst.

Entscheidend ist die Frage:

Welche Aufgabe hat Essen oder Nicht-Essen für dich übernommen?

Vielleicht ist es Beruhigung.

Vielleicht Kontrolle.

Vielleicht Betäubung.

Vielleicht das Regulieren von Spannung.

Vielleicht geht es um etwas völlig anderes.

Genau dort beginnt für mich therapeutische Arbeit: nicht gegen das Symptom zu kämpfen, sondern neugierig darauf zu werden, warum es überhaupt notwendig geworden ist.

Denn Veränderung bedeutet nicht zwangsläufig, noch härter gegen dich vorzugehen.

Manchmal beginnt sie damit, dich selbst so gut zu verstehen, dass du nach und nach andere Möglichkeiten entwickeln kannst.

Und vielleicht lautet die erste Frage deshalb heute nicht:

„Warum bekomme ich mein Essen nicht endlich in den Griff?“

Sondern:

„Was versucht mein Essverhalten eigentlich für mich zu tun?“

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Solche Muster prägen sich tief in unser Nervensystem ein und begleiten uns bis ins Erwachsenenalter. Wenn du nach einem langen Tag zu Schokolade oder Chips greifst, obwohl du keinen physischen Hunger hast, ist das ein Versuch deines Inneren, dir etwas zu sagen. Vielleicht brauchst du Zuwendung, Trost oder einfach eine Pause. Emotionales Essen ist somit eine Art Selbstfürsorge – allerdings eine, die auf Dauer nicht befriedigend ist. Es lohnt sich, genauer hinzusehen und herauszufinden, was wirklich hinter diesem Verhalten steckt. Der Kreislauf von Scham und Schuld Häufig geht emotionales Essen mit Schuldgefühlen einher. Während oder nach einem Essanfall fühlen sich viele Menschen schuldig oder schämen sich für ihr Verhalten. Diese Gefühle führen dazu, dass man sich zurückzieht, sei es von Freunden, der Familie oder dem Partner. Dieser Rückzug verstärkt jedoch den Kreislauf, weil er die Verbindung zu anderen Menschen – und letztlich auch zu dir selbst – schwächt. Wichtig ist, dir bewusst zu machen, dass du nicht allein bist. Millionen von Menschen weltweit erleben ähnliche Gefühle und Herausforderungen. Es ist kein persönliches Versagen, sondern ein Zeichen dafür, dass etwas in deinem Inneren Aufmerksamkeit braucht. Emotionales Essen als Weckruf Statt emotionales Essen als Problem zu sehen, könntest du es als eine Einladung betrachten, dich selbst besser kennenzulernen. Dein Drang zum Essen ist ein Signal deines Körpers und deiner Seele: „Schau hin, hier gibt es etwas, das gehört und genährt werden möchte.“ Diese Perspektive kann unglaublich befreiend sein. Es geht nicht darum, das Essen als Feind zu sehen oder dich mit Verzicht zu bestrafen. Stattdessen darfst du lernen, liebevoll mit dir selbst umzugehen und neue Wege der Selbstfürsorge zu entwickeln. Erste Schritte aus dem Kreislauf Der Weg aus dem emotionalen Essen beginnt mit Achtsamkeit und Selbstakzeptanz. Hier sind einige praktische Tipps, die dir helfen können: Gefühle erkennen und benennen: Frage dich in Momenten des Essensdrangs: „Was brauche ich gerade wirklich?“ Schreib deine Gefühle und Bedürfnisse auf, ohne sie zu bewerten. Allein das Benennen kann bereits entlastend wirken. Achtsamkeit üben: Bevor du isst, nimm dir einen Moment Zeit, tief ein- und auszuatmen. Spüre in dich hinein, welche Emotionen und Gedanken gerade da sind. Diese kleine Pause schafft Raum für bewusstere Entscheidungen. Alternativen finden: Statt automatisch zu essen, probiere etwas Neues aus. Geh spazieren, tanze zu deinem Lieblingslied oder ruf eine Freundin an. Es geht darum, andere Wege der Selbstfürsorge zu entdecken. Keine Perfektion erwarten: Heilung ist ein Prozess, kein Sprint. Es ist okay, wenn du nicht alles sofort änderst. Jeder kleine Schritt zählt. Die Rolle von Grenzen Ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses ist das Setzen von liebevollen Grenzen. Diese Grenzen sind nicht dazu da, dich einzuengen, sondern dir Halt und Sicherheit zu geben. Sie entstehen nicht durch Disziplin, sondern durch die Arbeit mit deinen inneren Gefühlen und Bedürfnissen. Vielleicht kennst du das Gefühl, dass dir eine Grenze etwas wegzunehmen scheint. Doch wenn du zuvor deine Bedürfnisse liebevoll anerkannt hast, fühlt sich eine Grenze natürlich und stützend an. Sie wird zu einem Akt der Selbstliebe. Verbindung statt Verzicht Emotionales Essen lässt sich nicht durch Verzicht oder Disziplin heilen. Die Lösung liegt in der Verbindung – zu dir selbst, zu deinen Gefühlen und zu anderen Menschen. Wenn du deine Gefühle ohne Urteil betrachtest, entsteht ein Raum, in dem Essen nicht mehr die einzige Lösung sein muss. Dieser Raum erlaubt es dir, neue Wege zu finden, wie du deine Bedürfnisse erfüllen kannst. Vielleicht entdeckst du, dass du statt Essen lieber eine Pause brauchst, ein gutes Gespräch oder eine kreative Tätigkeit. Die kulturelle Perspektive Interessanterweise spielt auch die Kultur eine Rolle beim Thema emotionales Essen. In vielen Kulturen wird Essen als Trost oder Zeichen von Geborgenheit genutzt. Das ist an sich nichts Schlechtes, solange es in Balance bleibt. Wichtig ist, dir bewusst zu machen, welche Muster aus deiner Vergangenheit dich noch heute beeinflussen. Heilung als Prozess Heilung bedeutet nicht, perfekt zu werden. Sie geschieht zwischen den Schmerzen der Vergangenheit und der Fülle der Gegenwart. Es ist ein Pendeln zwischen diesen beiden Polen, das mit der Zeit immer leichter und freier wird. Erlaube dir, diesen Weg in deinem Tempo zu gehen. Du musst keine schnellen Ergebnisse erzielen. Vielmehr geht es darum, dich selbst besser kennenzulernen und liebevoll mit dir umzugehen – so, wie du es bei einem guten Freund tun würdest. Fazit: Nimm dich selbst an Emotionales Essen ist kein Feind, sondern ein Signal. Es zeigt dir, dass du dich selbst mehr beachten und lieben darfst. Statt dich zu verurteilen, nimm dieses Signal als Einladung, dich mit dir selbst zu verbinden und neue Wege der Selbstfürsorge zu entdecken. Du bist die wichtigste Person in deinem Leben. Nutze diese Chance, dich selbst besser kennenzulernen und Schritt für Schritt zu heilen. Der Weg mag nicht immer einfach sein, aber er ist es wert – denn am Ende wartet eine tiefere Verbindung zu dir selbst und ein Leben in Balance und Selbstliebe. Abschlussgedanken Hast du das Gefühl, dass emotionales Essen ein Thema ist, das du tiefer angehen möchtest? Dann lass uns gemeinsam daran arbeiten! Buche jetzt ein unverbindliches 1:1 Coaching mit mir, in dem wir uns intensiv mit deinen individuellen Herausforderungen auseinandersetzen. Gemeinsam finden wir Wege, die wirklich zu dir passen, und bringen dich Schritt für Schritt in eine liebevolle Verbindung mit dir selbst. Alternativ kannst du in meinem Podcast noch mehr über meine persönlichen Erfahrungen mit emotionalem Essen und meinen Weg zur Heilung erfahren. Ich teile dort ganz offen meine Geschichte und gebe dir weitere wertvolle Impulse. Emotionale Essgewohnheiten zu verstehen und zu heilen, ist eine Reise der Selbstentdeckung. Jeder Schritt, den du gehst, bringt dich näher an dich selbst heran. Gib dir die Zeit, die du brauchst, und erkenne den Wert in jedem kleinen Fortschritt. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern authentisch. Je mehr du dich mit dir selbst verbindest, desto freier und lebendiger wirst du dich fühlen. Vertraue auf deinen Weg – er führt dich zu einem liebevollen und achtsamen Umgang mit dir selbst.  Hab keine Angst, Löwin. Deine Anna
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